Mobbingberatung Klaus Wolf

Seit über 10 Jahren hauptberuflicher Mobbingberater



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Meinung und Presse

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Meinung

Aktuelle Situation in der Arbeitswelt

Die Arbeitsmarktsituation in der Bundesrepublik Deutschland beginnt sich wieder zu verschlechtern. Viele Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz. Das Arbeitsklima ist rauer geworden und das „Ellenbogendenken” hat zugenommen. Konflikte und psychische Gewalt sind vorprogrammiert. Ist eine Konfliktpartei erst mal in die unterlegene Position geraten, hat sie kaum eine Chance dem verhängnisvollen Verlauf des Mobbings am Arbeitsplatz zu entkommen. Der Mobber attackiert sein Opfer in der Regel solange, bis dieses am Rande der Arbeitsgemeinschaft steht und aus gesundheitlichen Gründen die Arbeitsstelle aufgeben muss.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat im Jahre 2002 eine repräsentative Umfrage zum Thema Mobbing gemacht, den sog. Mobbing-Report. Laut dieser Erhebung sind in der Bundesrepublik Deutschland 2,7 % der Erwerbstätigen oder in absoluter Zahl ausgedrückt, 1,053 Millionen Menschen ständig von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen. Dies ist etwa jeder 33. Beschäftigte. Des Weiteren wurden die Erwerbstätigen zwischen 15 und 65 Jahren gefragt, ob sie jemals in ihrem Erwerbsleben von Mobbing betroffen waren. Diese Frage wurde von 11,7 % mit JA beantwortet. So ist jede neunte Person mindestens einmal im Verlauf ihres Erwerbslebens gemobbt worden. (Quelle: B. Meschkutat, Der Mobbing-Report, 2003, Seite 23 ff). Außerdem werden ca. 200 Selbstmorde pro Jahr auf Mobbing am Arbeitsplatz zurückgeführt.

Die Mobbingberatung Wolf nimmt sich dieser Not der Arbeitnehmerschaft an. Der Handlungsbedarf auf diesem Gebiet ist groß und die Nachfrage nach Beratung ist hoch. Diese Tatsache bestätigt mein Engagement in einem so wichtigen Bereich der Arbeitswelt. Immer wenn es hier um die Nöte und den daraus folgenden Orientierungsbedarf der Arbeitnehmer geht, will ich präsent sein. Ich stehe den Arbeitnehmern bei, begleite sie und gebe ihnen Hilfestellungen im Bereich ihrer Neuausrichtung in betrieblicher, beruflicher und oft damit verbunden, auch in privater Hinsicht geht.

 

Gewinnstreben der Aktionäre – Verschärfung der Arbeitsplatzsituation

Einen weiteren wichtigen Hintergrund für die Zunahme von Mobbing am Arbeitsplatz beschreibt Prof. Brodbeck vom Fachbereich Betriebswirtschaft an der FH Würzburg und Mitglied er Fairness Stiftung e.V. in einem Interview mit dem Pressedienst Ordinariat Würzburg (pow).

Hier ein Auszug aus dem Interview:

POW: Professor Brodbeck, kann man bei Mobbing von einem Randphänomen der Arbeitswelt sprechen?
Professor Brodbeck:
Nein. Es hat wohl zu allen Zeiten dieses Phänomen gegeben. Doch es ist zu beobachten, dass sich in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Mobbing-Prozesse sowohl quantitativ vermehrt als auch qualitativ verändert haben. Man kann eine geradezu perverse Kreativität darin entdecken, auf welche Weise unfaire Attacken in Unternehmen und Organisationen initiiert werden. Wenn man das Ausmaß von Mobbing allerdings beziffern möchte, bewegt man sich im statistischen Nebel. Bezieht man alle Folgeschäden mit ein (Gesundheitssystem, Frühverrentung, Rechtskosten, betriebswirtschaftliche Schäden etc.), so dürfte ein dreistelliger Milliardenbetrag zusammenkommen.

POW: Welche Ursachen sehen Sie für Mobbing am Arbeitsplatz?
Professor Brodbeck:
Es gibt sehr viele Ursachen, jeweils abhängig vom einzelnen Unternehmen und seinen Mitarbeitern. Doch die meisten dieser Ursachen haben, so scheint mir, nur einen Grund: In den 90er Jahren, begleitet vom Aktienboom, haben sich die großen Unternehmen grundlegend gewandelt. Unternehmensziele orientieren sich heute nicht mehr primär an Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, dem sozialen Umfeld - durchaus mit der Absicht, Gewinn zu erwirtschaften. Ins Zentrum sind heute die Interessen der Anleger gerückt. Anleger haben kein Verhältnis zum Unternehmen und blicken nur auf die Rendite einer Aktie. Der schnellste Weg zur Steigerung der Rendite sind Kostensenkung und forcierte Leistungssteigerung. Daraus entsteht eine innerbetriebliche Spannung, damit ein unheilsamer Nährboden für Mobbing. Der von den großen Unternehmen ausgehende wachsende Kostendruck verändert auch für kleinere und mittelständische Betriebe die Wettbewerbssituation – mit ähnlichen Folgen für deren Arbeitsklima.

POW: Welche Rolle spielen die Angst vor Arbeitslosigkeit und die hohe Arbeitsbelastung?
Professor Brodbeck:
Beide sind eine Folge der Kostensenkungspolitik im Zeichen der wachsenden Fesselung von Unternehmen durch Anlegerinteressen. Die Angst macht blind und fördert egoistisches Verhalten, während die zunehmende Arbeitsbelastung im Gegenzug die Schwelle psychischer Belastbarkeit senkt. Mobbing ist die Folge.

(Verfasser: Klaus Wolf)

 

Sinnkrise und Traumatisierung bei Mobbing-Opfern

Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Mobbingberatung mit den Betroffenen neue Lösungswege zu suchen und sie aus der Opferrolle heraus zu führen, so dass sie wieder lernen zu kämpfen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zum Teil gestaltet sich diese Lösungssuche als intensiver Prozess. Beispielsweise im Fall von Rudolf, der 54 Jahre alt ist und über 20 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet hat. Er ist in all den Jahren Teil des Betriebs geworden und hat wirtschaftliche Höhen und Tiefen mit diesen Betrieb durchstanden. Er wurde hinausgemobbt und damit brach für ihn eine Welt zusammen. Sein Betrieb, sein „Zuhause”, alles was ihm im Leben Sinn gab, gibt es plötzlich nicht mehr und dies „nur” weil der neue Geschäftsführer ihn nicht leiden konnte (vermutlich, weil er Angst vor Rudolfs Erfahrung im Betrieb hatte).
Hier war es dann die zentrale Aufgabe der Beratung, Rudolf bei der Suche nach einem neuen Lebenssinn zu unterstützen.

Betroffene machen hier häufig die Erfahrung, dass sich schrittweise im Betrieb „alle” gegen sie stellen und kein Gericht der Welt die "Gerechtigkeit" wieder herstellt. Diese Erfahrung führt häufig zu fortdauernder seelischer Erschütterung, dem sog. Trauma. Vergleichbar ist dies mit der Situation, Geisel bei einem Banküberfall oder Zeuge eines schrecklichen Unfalls zu sein.
Hier ist es wichtig, die Menschen über längere Zeit zu begleiten, damit sie wieder Vertrauen in sich und in ihre Mitmenschen aufbauen können. Oftmals ist hier auch eine zusätzliche ambulante oder stationäre Psychotherapie nötig

(Verfasser: Klaus Wolf)

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Presse

 

Presseartikel 2009

 

Artikel in „Die Kitzinger“ vom 04.09.2009

"Mobbing macht Betroffene krank"

Der Sozialpädagoge Klaus Wolf hilft Mobbingopfern und arbeitet als Konfliktvermittler für Betriebe

Landkreis KT. Der Sozialpädagoge Klaus Wolf ist seit kurzem als Mobbingberater für Unterfranken und damit auch für den Landkreis Kitzingen zuständig. Die Kitzinger hat sich mit Wolf über seine Arbeit und das Problem Mobbing in der heutigen Arbeitswelt unterhalten.

Die Kitzinger: Sie sind seit vielen Jahren Mobbingberater, kennen sich also bestens mit dem Thema aus. Könne sie kurz beschreiben, was eigentlich unter Mobbing zu verstehen ist?

Klaus Wolf: Mobbing liegt dann vor, wenn eine Einzelperson häufig ... und über längere Zeit ... systematisch schikaniert und ausgegrenzt wird. Hingegen sind ein allgemein schlechtes Betriebsklima oder ein cholerischer Chef, der immer wieder mal jemanden auf den Kicker hat, kein Mobbing. Obwohl solche Situationen auch nicht leicht zu ertragen sind.

Die Kitzinger: Woran erkennt man, ob man gemobbt wird? Wie sehen denn die typischen Angriffe aus?

Klaus Wolf: Anzeichen für Mobbing sind: Der Umgangston wird rauer. Die Kritik an der Arbeit ist ungerecht und grundlos. Gespräche verstummen, wenn der Betroffene den Raum betritt. Die Antworten werden knapp und unhöflich oder man wird wegen Kleinigkeiten angebrüllt. Andere grüßen nicht mehr und verbreiten hinter dem Rücken
des Betroffenen Gerüchte. Informationen werden vorenthalten, so dass dem Betroffenen Nachteile entstehen. Mobbing ist ein schleichender Prozess, der oft erst spät erkannt wird, wenn es zu spät ist. Deutliche Anzeichen sind, wenn der Betroffene sich immer wieder fragt, war das Zufall, bin ich jetzt zu kleinlich oder überempfindlich geworden oder bilde ich mir vielleicht das alles nur ein. Arbeitgeber können Mobbing erkennen, wenn eine Konfliktpartei alles abstreitet und keinen Handlungsbedarf für eine konstruktive Lösung sieht, mit der alle Parteien Leben können.

Die Kitzinger: Gibt es den "typischen Mobber" und das "typische Opfer"? Teilen Männer oder Frauen öfters aus?

Klaus Wolf: Nein, es gibt weder typische Mobber noch Gemobbte. Leider hat sich in der Gesellschaft das Bild festgesetzt, wer gemobbt wird, hat auch immer selbst Schuld daran. Mobbing gilt als individuelles Versagen in unserer Gesellschaft. In Wirklichkeit ist es vielmehr so, dass Mobbing jeden treffen kann. Bei Mobbing finden wir immer Strukturen
im Unternehmen, die es erst möglich machen, dass Mobbing stattfinden kann. Häufig schauen Vorgesetzte weg, bagatellisieren das ganze als Kinderkram, sind unfähig Konflikte zu klären oder schlagen sich aus Angst oder Vorteilsnahme auf die Seite des Mobbers...

Die Kitzinger: Hängt Mobbing auch mit der Größe der Betriebe zusammen? Je größer, desto anonymer und desto ruhiger der Betrieb? Oder verführt Anonymität eher dazu, "über Leichen zu gehen" um selbst voranzukommen?

Klaus Wolf: Nach meiner Einschätzung besteht schon ein gewisser Zusammenhang zwischen der Größe des Betriebes und Mobbing. Oft spielen die Faktoren Neid und persönliche Abneigung bei Mobbing eine Rolle. Diese Faktoren kommen in kleineren Betrieben, wo die räumliche Nähe größer ist und der Kontakt untereinander zwangsweise intensiver ist, stärker zum Tragen als in Großbetrieben. Die aktuelle Untersuchung (Mobbing Report, 2002) differenziert die Häufigkeit von Mobbing nach Branchen. Nach dieser Untersuchung liegt das größte Mobbingrisiko in den Bereichen Sozial- und Gesundheitsberufe (Krankenpflege, Altenpflege, Erziehung, Heime, Sozialpädagogen, Lehrer), gefolgt von der öffentlichen Verwaltung und dem Bankensektor. Das geringste Mobbingrisiko laut dieser Untersuchung bei Mitarbeitern im Sektor Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau. Dass es in den Bereichen Sozial- und Gesundheitsberufen, öffentliche Verwaltung, und Banken verstärkt zu Mobbing kommt, hat unterschiedliche Gründe, die sich dort potenzieren. Die Gründe sind: Die Arbeitsergebnisse sind weniger messbar. Werthaltung und Normen der Mitarbeiter spielen eine größere Rolle. Oft arbeiten in diesen Bereichen viele Frauen, deren betrieblicher Stand durch die Unterbrechung von Erziehungszeiten nicht so gefestigt ist...

Die Kitzinger: Immer mehr Mitarbeiter leiden unter Vorgesetzen oder Kollegen. Ist der Umgang in den Unternehmen härter geworden? Oder reagieren wir sensibler auf Angriffe anderer?

Klaus Wolf: Ich glaube nicht, dass wir sensibler geworden sind. Ich sehe hier ganz andere Faktoren, die zum Tragen kommen. Ich beobachte in den Unternehmen eine zunehmende Arbeitsverdichtung, die mehr Stress und Leistungsdruck nach sich zieht. Außerdem ist seit Jahrzehnten eine zunehmende Individualisierung in der Gesellschaft zu spüren. Diese Individualisierung entsolidarisiert und lässt den einzelnen mehr auf den eigenen Vorteil schauen. Stress und Individualisierung haben so zu einem raueren Umgangston geführt. So werden auch "Normbrecher", wie besonders gute und leistungsfähige Mitarbeiter als auch schwächere Mitarbeiter in einer Arbeitsgruppe immer schneller Zielscheibe von Angriffen und Ausgrenzung. Kommt jemand unter diesen Vorraussetzungen, in einem Konflikt in die Position der Überlegenheit, wird er sich beschweren. Wer sich beschwert, nimmt kostbare Zeit in Anspruch, die eh nicht vorhanden ist. Im Zuge dessen wird der Gemobbte schnell zum betrieblichen Störenfried erklärt und es wird von Seiten der Vorgesetzten versucht, den Betroffenen aus dem Betrieb hinaus zu drängen. Weiterhin ist zu beobachten, dass von Seiten der Unternehmensleitung die Gewinnmaximierung eine immer größere Rolle spielt und ihrerseits viel Druck macht, der sich von oben nach unten durchsetzt. Dieser Faktor hat inzwischen auch in den ganzen non-profit Unternehmen (Krankenhaus, Altenheime und anderen caritative Einrichtungen) Einzug gehalten. Hier spielen vor allem die strengeren Vorgaben des Gesetzgebers und rückläufige öffentliche Mittel eine Rolle. Darüber hinaus beobachte ich bei Vorgesetztenseminaren zunehmend das Motto " Tschaga du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen und positiv denken". Diese Haltung verführt Vorgesetzte, nur noch die eigene Karriere und einen möglichst hohen Gewinn, um jeden Preis im Blick zu haben.

Die Kitzinger: Auch vom Burn-out-Syndrom wird heute viel geredet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Überlastung und Mobbing?

Klaus Wolf: Das Burn-out-Syndrom entsteht meist nach sehr lang anhaltender Stressbelastung. Dieses Syndrom kann bei Mobbing-Betroffenen auch auftreten, wenn sie sehr lange in der Mobbingsituation aushalten. Dieses Aushalten geht dann oft über Jahre. Meist reagieren Mobbingbetroffene viel früher. Durch die ständigen Angriffe am Arbeitsplatz treten massive Ängste auf, die mit depressiven Verstimmungen einhergehen. Beim Burnout treten auch Ängste und Depressionen auf. Hier sind sie eher die Folge der Erschöpfung. Generell kann man feststellen, dass Überlastung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz ein Grund ist, weshalb gemobbt wird. Durch Stress und Überlastung sinkt die Konfliktfähigkeit. Konflikte werden nicht mehr ausgetragen, sondern mit hinausmobben "gelöst". Auch wird bei permanenter Überlastung schnell das schwächste Teammitglied als Ursache der Überlastung ausgemacht und systematisch angegriffen.

Die Kitzinger: Manche Betroffenen versuchen die Angriffe zu ignorieren. Sie ducken sich, versuchen keine Angriffsfläche zu bieten. Ist das der richtige Weg oder raten sie dazu, zum Gegenangriff überzugehen? Soll man sich mit dem "Gegner" zusammensetzen? Oder sich gleich direkt an den Chef wenden?

Klaus Wolf: Ja, das ist richtig, dass viele Betroffene, sich zurücknehmen, sich ducken, Versöhnungsangebote machen oder versuchen, durch perfekte Arbeit keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Dieser Weg ist früher oder später zum scheitern verurteilt. Diesen Verhalten erhöht den Stress der Mobbing-Betroffenen und macht sie krank. Außerdem nützt diese Verhalten nichts, da es dem Mobbingtäter nicht um ein Unterordnen des Kotrahenten geht, sondern darum, ihn hinaus zu drängen. So geht die vermeintliche "Lösungsstrategie" des Betroffenen nicht auf, denn der Mobbingtäter greift im Zweifelsfall zu neuen und anderen Schikanen. Deshalb gilt hier die Devise "Wehet den Anfängern." Der Mobbingtäter sollte so früh wie möglich zur Rede gestellt werden. wenn dieses Gespräch zu keinem befriedigenden Ergebnis führt, sollte dem Mobbingtäter angekündigt werden, dass man den Vorgesetzten einschaltet. Dies ist dann der zweite Schritt. Parallel dazu sollte der Betroffene sich an die Mobbingberatung wenden.

Die Kitzinger: Wie groß sind die Folgen von Mobbing? Gibt es Zahlen über Ausfalltage, Krankheitsbilder oder Kosten für die Krankenkassen?

Klaus Wolf: Zunächst lässt sich feststellen, dass Mobbing die Betroffenen krank macht und negative Auswirkungen auf die Qualität und Quantität der betrieblichen Leistungen insgesamt hat. Mobbing als eigenständige Diagnose gibt es nicht. Deshalb werden die Störungen nach der so genannten ICD-10 diagnostiziert. Nach Prof. Heinz Leymann, das ist ein schwedischer Wissenschaftler, der das Phänomen Mobbing erstmals wissenschaftlich untersucht hat, reagieren die Betroffenen schon sehr früh mit klassischen Stresssymtomen wie: Kopfschmerzen (51%), Rückenschmerzen (44%), Einschlafstörungen (41%), Depressiv (41%), Schnell reizbar (41%), Nackenschmerzen (36%), Konzentrationsmängel (35%). Prof. Dieter Zapf stellte 1999 folgende Symptome bei Mobbingopfern fest: Nervosität, Angespanntheit, Kopfschmerzen, Schlafschwierigkeiten, depressive Verstimmungen, obsessives Verhalten, Angststörungen, Posttraumatische Belastungsstörung. Nach Dr. Josef Schwickerath und Volker Kneip aus dem Jahr 2001 ist die Hauptdiagnose der Patienten in der Klinik Berus (Klinik für Psychosomatische Kuren) eine depressive Symptomatik. Für die Auswirkung von Mobbing gibt es keine konkreten Zahlen. Was vorliegt sind Schätzungen von Experten: Im ersten und zweiten Jahr des Mobbings liegen die krankheitsbedingten Ausfälle oft bei Tagen oder Wochen. Geht der Mobbingprozess länger oder eskaliert sehr stark, können krankheitsbedingte Ausfälle von Monaten oder Jahren entstehen. (Dies ist meine Einschätzung und auch die von Leymann.)... Die gesellschaftlichen/volkswirtschaftlichen Mobbingkosten werden für Deutschland auf mehrere Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Die Kitzinger: Sie beraten nicht nur Betroffene, sondern gehen auch in Betriebe. Wie sieht ihre Arbeit vor Ort aus?

Klaus Wolf: Sofern es Sinn macht und von den Betroffenen gewünscht wird, nehme ich Kontakt zum Betrieb auf. Ich biete dem Betrieb die Möglichkeit der Schlichtung /Konfliktvermittlung an. Wird dieses Angebot angenommen, setzte ich mich mit den Konfliktparteien zusammen. Unter Vorgabe bestimmter Kommunikationsregeln erarbeite ich mit den Parteien die Konfliktpunkte. In einem lösungsorientierten Verfahren entwickeln wir dann Perspektiven für die zukünftige Beziehungsgestaltung. Diese Perspektiven werden mit der Erarbeitung verbindlicher Verhaltensregeln für alle und die Umsetzung von Maßnahmen konkretisiert. Das Schlichtungsergebnis wird schriftlich festgehalten, von
allen Beteiligten unterschrieben und ist für alle verbindlich. Für eine Schlichtung sind
in der Regel vier bis sechs Stunden nötig.

Die Kitzinger: Wie sollte man sich verhalten, um erst gar nicht gemobbt zu werden? Oder kann jeder davon betroffen sein?

Klaus Wolf: Grundsätzlich sollte man Konflikte sehr frühzeitig ansprechen. Ein Konflikt sollte nicht länger als vier Wochen dauern, um hier mal eine Zahl zu nennen. Wenn der Konflikt dann nicht geklärt ist, droht er immer verschleppt zu werden und dann bei "günstiger" Gelegenheit wieder aufzuflammen und dann zu eskalieren und dies dann bis hin zum Mobbing. Unter bestimmten Umständen lässt sich trotzdem in manchen Fällen keine Klärung herbeiführen. Man muss aber trotzdem am Arbeitsplatz verbleiben, weil man keine Jobalternative hat. An dieser Stelle will ich Mobbing mal mit dem Autofahren vergleichen. Ich kann einmal im Jahr ein Fahrsicherheitstraining machen und mir die neuste Sicherheitstechnik ins Auto einbauen lassen. Dies mindert dann wahrscheinlich die Unfallfolgen, jedoch schließt es einen Unfall nicht aus. genauso ist es bei Mobbing. ich sollte einmal im Jahr ein persönlichkeitsbildendes Seminar besuchen, wie z.B. Selbstreflexion, Konflikttraining, Kommunikationstraining, etc. Darüber hinaus sollte jeder lernen, im Alltag bewusst Stress abzubauen, sei es durch Sport und vor allem durch ein gezieltes Entspannungsverfahren. dadurch kann ich die Folge von Mobbing schützen, denn es kann jeden treffen. Durch das rauer gewordene Klima ist auch weniger Raum für persönliche Individualität. Dies heißt, wer am weitesten von den Gruppennormen am Arbeitsplatz abweicht ist am ehesten in Gefahr gemobbt zu werden. Dies Gruppennormen können sich beziehen auf: die Arbeitsleistung, private Gespräche am Arbeitsplatz, gemeinsame Unternehmungen nach der Arbeit, Kleidung, Status Symbole, etc. Wer hier das Gefühl hat, er passt nicht oder nicht mehr in das Arbeitsteam, sollte sich überlegen, ob er sich längerfristig nicht eine andere Arbeit sucht.

Die Kitzinger: Sie sind in Unterfranken Ansprechpartner für den VPSM. Was versteckt sich hinter dieser Abkürzung und wer gehört dazu?

Klaus Wolf: Der VPSM ist der gemeinnützige Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. mit Sitz in Wiesbaden. Der VPSM unterhält ein bundesweites Netzwerk mit unabhängigen Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberatern. Diese Berater sind von ihrer Ausbildung Diplom-Psychologen und Pädagogen sowie Juristen. Die Mitglieder in diesem bundesweiten Fachverbund haben alle eine fundierte Ausbildung zum Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberater, welche der VPSM organisiert und durchführt. Durch regelmäßige Schulungen und Fachtreffen wird ein hoher Qualitätsstandard erreicht und gehalten. Im Fachverbund des VPSM bin ich für die Region Unterfranken zuständig.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Daniela Röllinger

 

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Artikel in „MainEcho Aschaffenburg“ 27./ 28.06.2009

Mobbing macht Mitarbeiter mürbe

Gesundheitsbericht: Höchststand bei Fehlzeiten durch psychische Krankheiten Neid häufiges Motiv - Beratungsstellen >>löschen<< Konflikte

Psychische Probleme nehmen seit Jahren zu, auch und gerade am Arbeitsplatz. So verzeichnete die Techniker Krankenkasse (TK) im Jahr 2008 einen neuen Höchststand bei Fehlzeiten durch psychische Krankheiten. Laut TK-Gesundheitsbericht 2009 nahmen die Fehlzeiten innerhalb der letzten zwei Jahre um fast 20% zu.

Wie viel davon durch "Mobbing" bedingt ist, lässt sich zwar anhand der Zahlen nicht eruieren, dennoch scheint das Phänomen beteiligt zu sein. Mobbingberater Klaus Wolf, Würzburg, registriert jedenfalls steigende Nachfrage. "Wenn der Druck in der Arbeitswelt weiterhin steigt, die Arbeit sich weiter verdichtet und immer komplexere Arbeitsabläufe entstehen, wenn immer mehr abverlangt wird",
zählt er auf, "dann sind das Stressoren, die dazu führen können, dass sich die Gruppe einen Sündenbock sucht".

"Besonders gefährdet sind offensichtlich Arbeitnehmer in sozialen Berufen". Klaus Wolf Mobbingberater

Häufiges Motiv ist Neid. Etwa 40% der echten Mobbingfälle seiner Praxis beträfen besonders motivierte, leistungsstarke Mitarbeiter, schätzt Lothar Drat, Koordinator des Fachverbundes VPSM (Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing). Wobei es für den Diplom-Sozialpädagogen völlig sekundär ist, ob das bestehende Problem explizit Mobbing genannt wird. "Wir sehen uns als psychosoziale Feuerwehr, ob Mobbing oder eskalierter Konflikt - das spielt keine Rolle", beschreibt er die Funktion der im gemeinnützigen Verein organisierten, etwa 60 Experten verschiedener Fachrichtungen, darunter Psychologen, Pädagogen und Rechtsanwälte. "Wir löschen", sagt er plakativ. Wenn kein Externer eingeschaltet wird oder es gelingt, das Problem innerbetrieblich zu lösen - was aus verschiedenen Gründen schwieriger ist - dann drohen mitunter jahrelange, kostenintensive Verfahren, die vor Gericht und dann noch in mehrere Instanzen gehen. Mancher Betrieb schaltet aber einen externen Berater ein, der eine möglichst schnelle und für alle Beteiligten gangbare Lösung zu finden versucht.

Die sieht nicht selten so aus, dass eine saubere Trennung erfolgt, sei es durch innerbetriebliche Umschichtung oder dank einer großzügigen Abfindungsregelung, mehrmonatiger Freistellung bei vollen Bezügen, Kostenübernahme eines Coachings, ein gutes Arbeitszeugnis und ggf. Hilfe bei der Stellensuche für den Betroffenen. Denn der ist in vielen Fällen gar nicht mehr willens oder in der Lage, an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

Schäden schwer zu beziffern

"Besonders gefährdet sind offensichtlich Arbeitnehmer in sozialen Berufen",  sagt Wolf. Deutlich weniger Kundschaft verzeichnet er aus dem technischen  oder naturwissenschaftlichen Bereich. Insgesamt aber werde der Bedarf  steigen, prognostiziert er - und sei es nur aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz angesichts der weltweiten Krise. Bereits jetzt sind die Zahlen  alarmierend. Von etwa zwölf Millionen Mobbingopfern innerhalb der EU geht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BMAA) aus (unter Berufung auf die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz).

Nicht immer sind einzelne Personen oder Gruppen für eine Konfliktsituation  ursächlich. Auch Umstrukturierungen werden häufig zum Auslöser. Denn Konflikte haben häufig mit Führungsschwäche zu tun. Typisches Beispiel sind neue Vorgesetzte, die von außen in die Abteilung gesetzt werden, in der möglicherweise fachlich versiertere Arbeitskräfte sitzen, die selber auf den Posten hofften. Hier sind Konflikte programmiert, entweder, weil der neue Chef aus Unsicherheit versucht, den kompetenten Mitarbeiter ins Abseits zu stellen, oder weil die Mitarbeiter den Vorgesetzten nicht akzeptieren. Kosten entstehen für betroffene Unternehmen nicht erst, wenn das Problem eskaliert. In schwieriger Atmosphäre sinkt schon zuvor die Motivation und damit Kreativität und Produktivität der Mitarbeiter, was sich besonders in innovativen Branchen bemerkbar macht, aber schlecht beziffern lässt.

Schätzungen gehen von immensen finanziellen Verlusten für Betriebe und Volkswirtschaft aus. Genaue Zahlen zu nennen, hält VPSM-Geschäftsführer Drat jedoch für zweifelhaft. "Wie wollen Sie es beziffern, wenn ein wertvoller Mitarbeiter kurz vor der Entdeckung seines Lebens steht und dann in seinen Unterlagen manipuliert wird?" fragt er. Der betriebs- wie volkswirtschaftliche Schaden könnte unermesslich sein und das Unternehmen vielleicht auf Jahre hinaus seiner Wettbewerbsfähigkeit berauben.

Stichwort: Mobbing
Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen ("to mob" bedeutet anpöbeln oder schikanieren). Eine Person oder Gruppe fühlt sich am Arbeitsplatz von Gleichgestellten, Vorgesetzten oder untergegebenen Kollegen angefeindet, belästigt, beleidigt, ausgegrenzt oder mit lästigen Arbeitsaufgaben bedacht. Mit der Zeit entsteht bei "gemobbten" Personen das Gefühl, unterlegen zu sein. Je unzufriedener die Betriebsangehörigen, desto häufiger tritt Mobbing auf. Es bleibt jedoch nur
auf die Arbeitswelt beschränkt - Mobbingprozesse finden auch in Schulen, Kindergärten oder an Universitäten statt, in Vereinen, in der Nachbarschaft, ja sogar innerhalb von Familien. Allerdings wird dann nur von echtem Mobbing gesprochen, wenn entsprechende Handlungen systematisch, häufig wiederholt auftreten und sich zudem über einen längeren Zeitraum erstrecken. Weder einmalige Vorfälle fallen unter dem Begriff noch Konflikte zweier etwa gleich starker Parteien, Mobbing setzt also ein Machtgefälle voraus, sei es durch die Position oder die Anzahl der Mobber.

Redaktion: Andrea Hammerl 

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Klaus Wolf

Dipl. Sozialpädagoge (FH), Mobbing- u. Konfliktberater, Systemischer Berater, Familienberater (DGSF)

Praxis:

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